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vor 8 Stunden in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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Kritiker sprachen von einem vergifteten Grußwort. Es war jedenfalls kein freundlicher Gruß, den der Bischof von Münster in seiner Funktion als Vorsitzender der DBK nach Köln und Berlin sandte. Der Montagskick von Peter Winnemöller
Berlin (kath.net)
Immerhin gibt es wieder ein Grußwort der DBK zum Marsch für das Leben. Leider wirkt es eher wie ein Erziehungsdokument. Wäre es der Besinnungsaufsatz eines Schülers, müsste man „Thema verfehlt“ darunter schreiben. Dazu sollte man sich die Themensetzung des Marsch für das Leben in Erinnerung rufen. In jedem Jahr werden in Deutschland mehr 100.000 Kinder vor ihrer Geburt getötet. Der gesellschaftliche Trend geht trotz des Jahrzehnte währenden Engagements von Lebensrechtlern immer mehr in Richtung Legalisierung der vorgeburtlichen Kindstötung. Der extreme Linksruck der sogenannten Parteien der Mitte macht es inzwischen möglich, dass sich mit Wiebke Winter die Spitzenkandidatin eines Landesverbandes offen für die Streichung des §218 äußert. Die Schatzmeisterin der Bundes-JU, Clara von Nathusius, äußerte sich in den sozialen Medien offen pro Abtreibung. Dass dabei verdrängt wird, dass bei jeder Abtreibung ein Mensch stirbt und alle daran mitwirkenden Menschen schweren Schaden an ihrer Seele nehmen, ist fast schon normal. Es kann wohl nur noch die älteren Bürger des Landes noch erschrecken, dass dies inzwischen auch in der nominell als christdemokratisch bezeichneten CDU / CDU akzeptiert wird.
So ist das Thema des Marsch für das Leben sicher vielschichtig. Es geht einerseits um den politischen Kampf gegen auch nur die geringste Legalisierung der Abtreibung. Also auch gegen den derzeit geltenden Paragraf 218. Dass dies mit Augenmaß zu geschehen hat, erklärt sich schon daraus, dass in der gegenwärtigen politischen Wirklichkeit in Deutschland jeder Versuch einer Revision des §218 zu einer dramatischen Verschlechterung führen würde. Weltweit betrachtet ist das ungeborene Leben in Deutschland noch relativ gut geschützt. In Kanada ist Abtreibung bis zur Geburt möglich. Was bedeutet, dass kurz vor der natürlichen Geburt eine Geburt mit der Absicht der Tötung eines vollständig ausgereiften Säuglings künstlich eingeleitet wird. Die Frau bingt den Säugling wie bei einer ganz normalen Geburt zur Welt. Der Unterschied zwischen der Geburt und der Abtreibung ist recht sichtbar. Nach der Geburt lebt ein kleiner Mensch. Nach der Abtreibung kurz vor der Geburt ist ein Mensch brutal ermordet worden. Unter dem Applaus umstehender Frauen unterzeichnete erst kürzlich Gouverneur Maura Healey in Massachusetts ein Gesetz, das Tötung ungeborener Kinder erlaubt. So geht die Würde ungeborener Kinder unter, mit donnerndem Applaus.
In Europa geht es inzwischen sogar darum, zu erzwingen, dass Menschen auch gegen ihre Gewissensentscheidung zur Mitwirkung an Abtreibungen verpflichtet sein sollen. Der Arbeitsprozess eines Gynäkologen, der in einem christlichen Krankenhaus arbeitet und Abtreibungen auch unter katholischer Flagge durchführen will, dient am Ende nur dem einen Ziel, dass nämlich auch katholische Einrichtungen zur Durchführung von vorgeburtlichen Kindstötungen gezwungen werden sollen.
Der gesamte Schutz des menschlichen Lebens vor der Geburt und natürlich auch bis zu seinem Ende, das ist der Fokus, den sich der Marsch für das Leben auf die Fahne geschrieben hat. Dazu gehört auch der Schutz des Lebens behinderter Menschen. Viele Behinderungen sind inzwischen pränatal diagnostizierbar. Es gibt Behinderungen und Erkrankungen, die zum Tod des Kindes noch während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt führen oder führen können. Eltern und Kindern mit solchen Diagnosen ist jede nur mögliche medizinische Hilfe zu gewähren. Das Kind zu töten, gehört jedoch gewiss nicht dazu. Auch wenn ein Kind unmittelbar nach der Geburt stirbt, so ist es sein Recht und der Eltern, Hebammen und Medizinern Pflicht, dem Kind zu ermöglichen, in den Armen der Mutter zu sterben, die es monatelang unter ihren Herzen getragen hat. Auch dafür sind in diesem Jahr wieder Tausende auf die Straße gegangen.
Ja mehr noch, am Ende gilt es dafür zu streiten, dass das Recht eines Menschen auf seine Geburt als Grundrecht in die Verfassung unseres Landes gehört. Es gehört auch dazu, dafür zu streiten, dass ein Mensch ein verfassungsmäßiges Recht auf einen natürlichen Tod eingeräumt bekommt. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Doch auf diesem Weg gehören die katholischen Bischöfe an die Seite derer, die für das Leben streiten. Es ist gut, dass in jedem Jahr wenigstens einige Bischöfe in Berlin und Köln mit auf die Straße gehen. Es ist auch gut, wenn die Bischöfe, die das nicht wollen, dem Kampf für das Leben durch ein Grußwort beistehen. So haben auch die mehr oder weniger hilfreichen Grußworte der Vorsitzenden der DBK ihre ambivalente Tradition.
Einerseits ist es immerhin noch ein Signal, dass die katholische Kirche in Deutschland den Schutz des Lebens noch nicht ganz aufgegeben hat. Den Inhalt des Grußwortes nimmt ohnehin kaum jemand jenseits des Marsches zur Kenntnis. Allein die Tatsache, dass ein solches existiert, stellt einen Wert an sich dar. Dass der Bischof von Münster die Teilnehmer des Marsches als „Teilnehmende“ anredet, was zur Folge hat, dass das Dokument, in dem Moment, in dem die Versammlungsleitung die Kundgebung für beendet erklärt, nicht mehr gilt, geschenkt. Er steigt ein damit, das Thema des Marsches zu verkennen. „Menschliches Leben in allen seinen Phasen zu achten, zu schützen und zu fördern.“ Das würde jeder Teilnehmer unterschreiben. Dann folgt ein Zitat von Papst Leo XIV., dass sich nämlich die moralische Größe eines Landes vor allem in seiner Fähigkeit zeige, das Leben aller, insbesondere der Schutzlosen und derer, deren Wert infrage gestellt wird, zu unterstützen, zu schützen und wertzuschätzen. Wer sollte dagegen sprechen?
Der Marsch für das Leben, so fährt Wilmer fort, lenke die Aufmerksamkeit auf Menschen, deren Leben nicht geachtet, anerkannt oder als weniger schützenswert angesehen werde. Ja, auch das. Aber eben sehr viel profilierter. Es geht um das Leben der Menschen vor ihrer Geburt und vor ihrem natürlichen Tod, für das die Teilnehmer auf dem Marsch für das Leben streiten. Man erkennt, wie Wilmer ausweicht und sich argumentativ in die Büsche schlägt. Darauf erfolgt erneut ein Papstzitat: „Jemand, der sagt: ‚Ich bin gegen Abtreibung, aber ich bin für die Todesstrafe‘, ist nicht wirklich für das Leben.“ Unterstellt Wilmer hier allen Ernstes den Teilnehmern oder gar den Organisatoren in Köln und Berlin Verfassungsfeindlichkeit? Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland sagt in Artikel 102 sehr schlicht, einfach und klar: „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“ Geht’s noch? Der Papst sprach seine Worte in Richtung USA, wo dieser Widerspruch tatsächlich an der Tagesordnung ist. Er lässt sich zudem insofern auflösen, dass einerseits einem zum Tode Verurteilten eine schwere Straftat zur Last gelegt wird und auch die Bibel im mosaischen Gesetz aber auch noch im Neuen Testament den Todesstrafe kennt. In Deutschland hat die Abschaffung der Todesstrafe Verfassungsrang und deutschen Lebensschützern ein solches Zitat förmlich um die Ohren zu hauen, ist eine scharfe Beleidigung. Nach dieser schallenden Ohrfeige kann man den Zettel zerknüllen und in die Tonne treten. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.
Wir sind noch nicht am Ende. Es geht weiter mit Allgemeinplätzen, die auch Sorge um Kranke, Unterstützen von Menschen in Not, sowie Eintreten für Frieden und Versöhnung postulieren. Wir sind ja nicht kleinlich, wenn wir diese umstrittenen Lebensschützer mal vor der Flinte haben, dann kriegen sie die ganze humanistische Breitseite ab. Wohin es zielt, vermittelt der folgende Absatz, wenn es darum geht, dass es „weder eine Rangordnung menschlichen Lebens noch die Unterscheidung zwischen wertvollem und weniger wertvollem Leben“ gebe. Auch hier schwingt wieder die Unterstellung mit, als wären die Teilnehmer am Marsch für das Leben, wenn sie nicht gerade gegen Abtreibung demonstrieren, die reinsten Bestien wider das Leben. Um dann auch die letzten Tropfen Moralin aus dem Kännchen zu gießen, folgt die Forderung, Lasten gemeinsam zu tragen und niemanden allein zu lassen.
Hat man dieses Grußwort gelesen, hat man den Kaffee erst einmal auf. Nichts von alldem ist für das Anliegen des Marsches für das Leben wirklich brauchbar. Kein Teilnehmer des Marsches wird sich gestärkt oder gar bestätigt fühlen. Eine Analyse ergab zudem eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen redaktionell geglätteten KI-Entwurf. Wahrscheinlichkeit ist keine Sicherheit, und wer ohne KI arbeitet, werfe den ersten Stein. Wenn es KI war, dann war es ein mieses Prompt und eine noch miesere Redaktion. Das Papstzitat ist ebenfalls nicht so ganz original. Im Grußwort heißt es, Papst Leo habe gesagt, die moralische Größe eines Landes zeige sich in seiner Fähigkeit, „das Leben aller, insbesondere der Schutzlosen und derer, deren Wert infrage gestellt wird, zu unterstützen, zu schützen und wertzuschätzen“. In der offiziellen deutschen Fassung der Papstrede lautet der Satz jedoch: „Deshalb zeigt sich die moralische Größe einer Nation vor allem in ihrer Fähigkeit, jene Leben zu begleiten, zu schützen und zu lieben, die sich in einer besonders fragilen Lage befinden.“ Ein weiteres Analysetool kam zu einem ähnlichen Ergebnis: „Der Text trägt deutliche Merkmale eines KI-generierten institutionellen Grußworts. Besonders die zur wörtlichen Rede umgeformte Papstparaphrase macht eine KI-Beteiligung plausibel.“ Schade eigentlich. Man hätte zu gerne gewusst, was der Mensch und Bischof Heiner Wilmer über den Schutz des menschlichen Lebens vor der Geburt und an seinem Ende denkt. Das und nichts anderes ist das Thema des Marsch für das Leben. Chance vertan.
Bild oben: Archivbild vom Marsch für das Leben. Foto: © Peter Winnemöller
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Dornenbusch vor 6 Stunden: Der «Marsch fürs Läbe geschützt von viel Polizei.
Die Abtreibungsgegner hätten eigentlich in der Innenstadt demonstrieren wollen. Das wurde ihnen wegen Sicherheitsbedenken erneut verwehrt.
Orate fratres vor 6 Stunden: Ganz einfach
@girsberg
Merz kann`s nicht,
Wilmer kann`s nicht,
Ergo: Der Untergang der "DBK-Kirche" ist politisch vorprogrammiert weil ihr die Glaubensinhalte abhanden gekommen sind.
girsberg74 vor 7 Stunden: Etwas einfacher:
Wilmer kann's nicht recht oder er will's nicht recht.
Alle großen Wahrheiten zum Lebensrecht sind nämlich einfach.
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