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Abschluss der über vier Jahre dauernden begleiteten Aufarbeitung der Ordensgeschichte - Gemeinschaft will an Reformen bei Kommunikation, Leitung und Pastoral festhalten.
St. Pölten (kath.net/ KAP)
Der mehrjährige Reflexionsprozess der Ordensgemeinschaft "Diener Jesu und Mariens" (Servi Jesu et Mariae, SJM) ist abgeschlossen. Das zuständige römische Dikasterium hat der Gemeinschaft mit Sitz im niederösterreichischen Blindenmarkt (Bezirk Amstetten) mitgeteilt, dass der vom Heiligen Stuhl durch den emeritierten Abt Raimund Schreier als Apostolischer Assistent begleitete Prozess beendet sei. Zugleich habe Rom den Orden ermutigt, den in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg fortzusetzen, heißt es in einer Ende September auf der Website der Gemeinschaft veröffentlichten Erklärung.
Der Prozess hatte im Herbst 2022 begonnen und war vom vatikanischen Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens angeordnet worden, als "externe Hilfe für einen ordensinternen Reflexionsprozess", wie es hieß. Im Mittelpunkt standen die Gründungsgeschichte der Gemeinschaft, interne Strukturen und das Selbstverständnis des Ordens. Als Apostolischer Assistent war zunächst der Passionistenpater Gregor Lenzen eingesetzt worden; nachdem dieser die Aufgabe aus persönlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte, übernahm im Juni 2023 der Wiltener Altabt Raimund Schreier diese Funktion.
Die Gemeinschaft hatte sich bereits vor Beginn des Prozesses mit ihrem Gründer, dem 2008 verstorbenen P. Andreas Hönisch, beschäftigt. Hönisch hatte die SJM 1988 in Mussenhausen in der Diözese Augsburg gegründet. In einer früheren Aufarbeitung räumte der Orden ein, dass sich in der Gründungszeit "Einseitigkeiten und Fehler" entwickelt haben könnten. Dabei wurde unter anderem hinterfragt, wie damals Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft übertragen wurde und ob die Mitglieder dabei ausreichend geistlich begleitet und unterstützt wurden. Eine kritische Anfrage an den Vatikan führte schließlich zu dessen Untersuchung und zur Einsetzung des Apostolischen Assistenten.
Reflexion und Erneuerung
Die Ergebnisse der fast vierjährigen Reflexion wurden beim SJM-Generalkapitel im Juni 2026 formell beschlossen und anschließend nach Rom übermittelt. Parallel legte Schreier dem Heiligen Stuhl seinen Abschlussbericht vor. Mit dem Abschlussbescheid würdigte das Dikasterium nach Angaben des Ordens den "mutigen und gelungenen Weg der Reflexion und Erneuerung" und dankte dem bisherigen Generaloberen P. Paul Schindele, seinem Rat und der gesamten Gemeinschaft.
Als Bereiche, in denen der Orden den eingeschlagenen Weg fortsetzen soll, nennt das römische Schreiben unter anderem eine "offene Kultur des gegenseitigen Feedbacks", transparente und klar strukturierte Kommunikation, gute Beziehungen zu den Ortsbischöfen, die Weiterentwicklung einer missionarischen Pastoral, stärkere Teamarbeit und den Dialog auch mit Menschen, die sich externen Gruppen außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft angeschlossen haben.
Selbstverortung und Wirkungsbeschreibung
In einer nun veröffentlichten Selbstbeschreibung formuliert die SJM zwölf im Rahmen der Reflexion erarbeitete Grundzüge ihres geistlichen und pastoralen Selbstverständnisses. Im Zentrum steht die persönliche Beziehung zu Jesus Christus. Die Gemeinschaft betont außerdem katholische Bildung, Katechese und Glaubensvermittlung sowie die Begleitung von Menschen, die Jugendarbeit und die Unterstützung von Familien.
Dabei bekennt sich der Orden ausdrücklich zu seiner katholischen Identität: "Wir sind gern katholisch. Ganz, vorbehaltlos, ohne Abstriche", heißt es in dem Papier. Die kirchliche Lehre solle Orientierung geben, die Tradition als wertvoller Schatz im Alltag neu lebendig werden. Zugleich versteht sich die SJM als Gemeinschaft unterschiedlicher Persönlichkeiten und betont individuelle Berufungen, gemeinschaftliches Leben und kontinuierliche persönliche Weiterentwicklung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das pastorale Wirken vor Ort. Unter dem Leitgedanken "Mittendrin! Wo die Herde, dort der Hirte" beschreibt die SJM ihren Anspruch, Priester sollten Menschen in ihrem konkreten Lebensumfeld begleiten und das Engagement von Laien fördern. Zu den genannten Arbeitsfeldern gehören Pfarrseelsorge, Liturgie, Einkehrtage und Exerzitien sowie Jugend- und Bildungsarbeit.
Neuer Ordensleiter seit Juni
Die aus der Arbeit der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) hervorgegangene Gemeinschaft der Diener Jesu und Mariens hat ihren Sitz seit 1993 in Blindenmarkt und ist außerdem in Deutschland, Frankreich, Belgien und Kasachstan tätig. Seit 1994 ist sie von Rom als Kongregation päpstlichen Rechts errichtet. Im Juni wurde P. Markus Christoph zum neuen Generaloberen gewählt. Er folgte auf P. Paul Schindele, der die Gemeinschaft seit 2014 geleitet hatte. Christoph war zuvor Generalvikar und für die akademische Ausbildung der Seminaristen zuständig. Mit den SJM verbunden ist der Dritte Orden des hl. Ignatius von Loyola, als Laiengemeinschaft von Frauen und Männern. (Infos: www.sjm.net)
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