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vor 7 Stunden in Weltkirche, 2 Lesermeinungen
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In den ersten Jahrhunderten des Christentums schätzten die Kirchenväter das Werk "Der Hirt des Hermas" als wertvolle Lektüre – Die Lehre von den Schutzengeln und den Einflüsterungen der bösen Geister wird dort anschaulich beschrieben.
Linz (kath.net/gem/rn)
Während der ersten 300 Jahre der Kirchengeschichte kursierten zahlreiche Briefe und Schriften in den christlichen Gemeinden, lange bevor die Kirche den offiziellen Kanon der Heiligen Schrift festlegte. Zu den faszinierenden Texten jener Epoche, die damals von vielen einflussreichen Kirchenvätern hoch verehrt wurden, zählt der sogenannte „Hirt des Hermas“
Wie die Catholic Encyclopedia berichtet, genoss dieses Werk in der Alten Kirche eine immense Autorität und wurde zeitweise sogar auf eine Stufe mit der Heiligen Schrift gestellt. Der Kirchengeschichtler Eusebius überlieferte, dass das Buch öffentlich in den Gemeinden verlesen wurde: Während einige es als nicht kanonisch ansahen, betrachteten es andere als „äußerst notwendig“.
Auch der heilige Athanasius erwähnte den „Hirten“ zusammen mit der Didache und den deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments als zwar nicht im strengen Sinne kanonisch, aber von den Alten ausdrücklich zur Unterweisung von Katechumenen empfohlen. In manchen frühen Handschriften des Neuen Testaments – etwa im Anschluss an die Apostelgeschichte – fand sich das Werk ebenfalls.
Das Buch, das im 2. Jahrhundert verfasst wurde (wobei der genaue Verfasser bis heute in der Forschung umstritten ist), besteht vor allem aus einer Sammlung von „Visionen“ und legt den Schwerpunkt stärker auf die christliche Ethik als auf dogmatische Feinheiten.
Besonders bemerkenswert ist ein Abschnitt, der sich den Zehn Geboten widmet und dabei detailliert die Existenz zweier Engel beschreibt, die auf den Menschen einwirken – ein „Engel der Gerechtigkeit“ und ein „Engel der Ungerechtigkeit“ (der böse Engel). Der Text bietet eine anschauliche Anleitung zur Unterscheidung der Geister:
Der Engel der Gerechtigkeit wird als sanftmütig, bescheiden, friedvoll und tugendhaft beschrieben. Wenn er das Herz eines Menschen berührt, flößt er Gedanken an Reinheit, Keuschheit und Gottesfurcht ein. Der Engel der Ungerechtigkeit hingegen offenbart sich durch Zorn, Bitterkeit, Gier nach Luxus, Ausschweifungen, Hochmut und unzüchtige Begierden. Der Autor ermahnt die Gläubigen eindringlich, die Wirkweise dieser Einflüsterungen zu erkennen und den Versuchungen des bösen Geistes zu entsagen.
Obwohl viele frühe Christen den „Hirten des Hermas“ für inspiriert hielten, enthielt das Buch einige Passagen, die theologische Unklarheiten aufwiesen und nicht die dogmatische Klarheit des übrigen Neuen Testaments besaßen. Zudem gab es Unsicherheiten bezüglich des apostolischen Ursprungs bzw. der Identität des Verfassers.
Aus diesen Gründen wurde das Werk schließlich vom kirchlichen Lehramt bei der endgültigen Festlegung des neutestamentlichen Kanons im 4. Jahrhundert nicht in die Heilige Schrift aufgenommen.
Dennoch bleibt der „Hirt des Hermas“ ein hochinteressantes Zeugnis der frühchristlichen Spiritualität und ein faszinierender Einblick in das Denken und Glaubensleben der Kirche in ihrer Entstehungszeit – und eine mahnende Erinnerung daran, wie wichtig die geistliche Unterscheidung im Alltag des Christen ist.
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Der verstorbene Neutestamentler Klaus Berger hat eine Zusammenstellung aller frühchristlicher Schriften - also auch der apokryphen - in mutmaßlich chronologischer Reihenfolge zusammengestellt. "Der Hirte, den Hermas gesehen hat" ist einfach ein frühchristliches Zeitdokument ohne normativ zu sein. Berger zitiert M . Dibelius: "Ein Denkmal des Alltagschristentums der kleinen Leute und breiten Schichten ... "
Parcival vor 5 Stunden: Erbaulich ist nicht gleich kanonisch
Die Begründung bedarf einer Präzisierung: Der am klarsten belegte Einwand gegen den „Hirten“ war seine nachapostol. Entstehung. Das Muratorische Fragment erklärt ausdrücklich, Hermas habe erst zur Zeit des röm. Bischofs Pius geschrieben. Das Buch solle gelesen werden, könne aber nicht unter die prophet. bzw. apostol. Schriften treten. Eusebius bezeugt zudem die fehlende allg. Anerkennung als Hl. Schrift (KG III,3). Athanasius empfiehlt es im 39. Osterfestbrief zur Glaubensunterweisung, unterscheidet es jedoch ausdrücklich vom Kanon. Die Christologie des Werkes wirft zwar Deutungsfragen auf; dass diese für die Nichtaufnahme ausschlaggebend waren, ist jedoch nicht eindeutig belegt. Auch war die Kanonbildung ein längerer kirchl. Rezeptionsprozess, kein einmaliger Auswahlakt im 4. Jh. Geistlicher Nutzen, Beliebtheit u. kanonische Autorität sind verschiedene Kategorien.
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