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Die Familie als Schule der Liebe - Eine Kirche aus Familien

vor 4 Stunden in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Der Dekan des Kardinalkollegiums Antonio Tagle verlas auf dem Petersplatz die von Papst Leo XIV. vorbereitete Predigt zum zehnten Jahrestag von ‚Amoris laetitia‘


Rom (kath.net) Zum zehnten Jahrestag des nachsynodalen ApostolischenSchreibens Amoris laetitia von Papst Franziskus wurde auf dem Petersplatz die heilige Messe zum Abschluss des Bischofstreffens gefeiert. Da Papst Leo XIV. seit dem 13. Oktober wegen einer Operation an der Lunge im Krankenhaus liegt, stand der Dekan des Kardinalskollegiums, Antonio Tagle, der Eucharistiefeier vor und verlas die vom Papst für diesen Anlass vorbereitete Predigt. Im Mittelpunkt standen die Familie als Schule der Liebe, die Weitergabe des Glaubens, das gemeinsame Gebet und die Berufung der Kirche, eine „Familie aus Familien“ zu sein.

kath.net veröffentlicht den Text der von Papst Leo XIV. vorbereiteten Predigt bei der Heiligen Messe zum 10. Jahrestag des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“:

»Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche« (Franziskus, Apostolisches Schreiben Amoris laetitia, 19. März 2016, 1). So begann der Heilige Vater Papst Franziskus vor zehn Jahren sein Apostolisches Schreiben Amoris laetitia (AL).

Heute feiern wir Eucharistie und bringen die Früchte unserer Arbeit zu diesem Dokument, die wir seither geleistet haben, vor den Herrn, und versuchen, seinen Reichtum in uns aufzunehmen und seine pastoralen Hinweise umzusetzen.

Die heutige Liturgie bietet uns dazu einige Denkanstöße. In der ersten Lesung haben wir den Hymnus des heiligen Paulus gehört (vgl. 1 Kor 12,31–13,13), den das Apostolische Schreiben im vierten Kapitel zum Ausgangspunkt einer umfassenden Meditation über die Tugenden der christlichen Ehe macht, die eine „affektive, geistige und oblative“ Vereinigung ist (vgl. AL 120) und ein Bild der Liebe Gottes (vgl. AL 121). Denn durch diese Werte wachsen die Ehepartner, nach dem Bild der Dreifaltigkeit und mit Hilfe der Gnade, Tag für Tag gemeinsam, wobei jeder in seiner Eigenart reift und sich gleichzeitig jene wechselseitige Ähnlichkeit einstellt, die durch den festen Plan, »das gesamte Leben miteinander zu teilen und aufzubauen« (AL 123), weiterwächst. So ist die wahre Freude der Liebe ein langsames Verschmelzen, in dem die Einzigartigkeit des einen durch die Gegenwart des anderen in der Hingabe zur Entfaltung kommt.

Der Apostel sprach übrigens zu einer Gemeinde, die reich an Gaben und Charismen war (vgl. 1 Kor 12,4–11), aber noch in der Liebe reifen musste. Er erinnerte die Korinther daran, dass der Mensch ohne sie – trotz aller empfangenen Gaben – »wie dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke« wäre (1 Kor 13,1): eine Stimme ohne Liebe, ein Ohr, das unfähig ist, Botschaften ans Herz weiterzugeben, eine distanzierte, kalte, undurchdringliche Individualität.

Dafür sind wir nicht geschaffen. Daran hat uns auch der Antwortpsalm erinnert, indem er uns als „Volk“ und „Herde“ eines Gottes bezeichnet, dessen „Huld ewig währt“ und dessen Treue sich »von Geschlecht zu Geschlecht« erstreckt (Ps 100,5) – eines Herrn, der liebt, ohne sich jemals zurückzuziehen, ohne jemals aufzuhören, uns zu suchen, uns Vertrauen zu schenken und seine Freundschaft mit uns zu erneuern.


Das ist die Liebe, die Amoris laetitia uns als Grundlage für unsere Familien ans Herz legt. Es ist die wahre Liebe zu der wir insbesondere die jungen Menschen erziehen sollen, die sich auf die Ehe vorbereiten, indem wir ihnen »die Bedeutung der Tugenden« vermitteln – wobei die Keuschheit einen besonderen Platz einnimmt, denn sie ist eine »wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe« (AL 206). Lobenswert sind in dieser Hinsicht die Wege, die auf Pfarrei- oder Seelsorgebereichsebene mit großem Engagement beschritten werden. Bedenken wir jedoch, dass diese Wege allein nicht ausreichen, wenn ihnen nicht eine Erziehung zur Liebe vorausgeht, die das gesamte Heranwachsen von Kindheit an begleitet. Papst Franziskus bemerkte dazu: »Jemanden lieben zu lernen ist nicht etwas, das man improvisiert, noch kann es das Ziel eines […] Kurses vor der Feier der Trauung sein« (AL 208). Und er erklärte: »In Wirklichkeit bereitet sich jeder Mensch von Geburt an auf die Ehe vor« (ebd.), und alles, was ein junger Mensch in der Familie erlebt, muss dazu beitragen, »ihn zu einer vollständigen und endgültigen Verbindlichkeit zu befähigen« (ebd.).

So ist die häusliche, konkrete Liebe, die nicht frei von Mühe, Fehlern und Niederlagen ist, zugleich wunderbar in ihrer unvorhersehbaren Alltäglichkeit – sie ist die erste Schule der Gefühle, die erste wertvolle und unersetzliche Lektion in der „Freude der Liebe“. Deshalb verdienen es die Bemühungen der vielen Familien, die in unseren Städten und Dörfern Tag für Tag ihre Berufung und Sendung leben – ohne großes Aufsehen, aber mit einer manchmal geradezu heldenhaften Treue –, gewürdigt und unterstützt zu werden. Sie sind eine großherzige und für alle verständliche Antwort auf die Worte Jesu, die wir im Evangelium gehört haben: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt« (Joh 15,16). Durch das Zeugnis dieser Eltern, Kinder, Großeltern, Jugendlichen und älteren Menschen, der Kleinen und der Großen, verbreitet sich die Botschaft der Wahrheit und der Fülle eines Lebens nach dem Evangelium wirksam in der Welt.

Der Evangelist Johannes hat uns die einfache und klare Botschaft überliefert, die Jesus uns am Ende seines irdischen Lebens hinterlassen hat: »Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe« (Joh 15,12). Lasst uns das in die Tat umsetzen, um als Kirche zu wachsen, die eine »Familie aus Familien« ist (AL, 87), in einem Klima gegenseitiger Fürsorge, von dem wir alle profitieren werden: die jungen Ehepaare, die sich ermutigt fühlen, wenn sie ihren gemeinsamen Lebensweg beginnen; die Eltern, die Unterstützung erhalten, um die anspruchsvollen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Heranwachsen der Kinder und der Gestaltung des Familienlebens zu meistern; die Älteren, deren Rolle als Zeugen der Weisheit und der Tugend anerkannt und gewürdigt wird, auch wenn ihre körperlichen Kräfte nachlassen. Hier finden auch die Schwächsten oder diejenigen, die schwierige Situationen und Krisen durchleben, Halt und Motivation – in einer Atmosphäre der Zuneigung und geschützt vor Urteilen und Vorurteilen. Erinnern wir uns daran: »Wie verletzt eine Familie auch sein mag, sie kann immer von der Liebe ausgehend wachsen« (XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Relatio finalis, 10).

In dieser Liebe, die für unser Dasein und unser Zusammenleben als Menschen von grundlegender Bedeutung ist, haben auch die Werte der Offenheit und des Respekts gegenüber dem Leben – von der Empfängnis bis zum natürlichen Lebensende – ihre Wurzeln. Die Familie ist die Hüterin par excellence dieser Werte, ein Leuchtturm für das Wohl der Menschheit. Papst Franziskus betonte diesbezüglich, dass »keine widerrufliche oder der Weitergabe des Lebens verschlossene Vereinigung […] die Zukunft der Gesellschaft [sichert]« (AL 52). Ohne stabile Familien, die offen sind für das Geschenk von Kindern und die sich um ihre Erziehung und ihr Heranwachsen kümmern, hat die Welt keine Zukunft.

In den Texten, die wir gehört haben, findet sich jedoch noch eine wichtige Aufforderung Jesu, auf die ich hinweisen möchte: nämlich die, „den Vater in seinem Namen zu bitten“ (vgl. Joh 15,16). Diese Worte erinnern uns daran, dass die Familie ein besonderer Ort des Gebets ist. Leider muss man feststellen, dass heute in vielen Teilen der Welt die Gewohnheit zu Hause gemeinsam zu beten – vor den Mahlzeiten, zu Beginn und am Ende des Tages oder zu besonderen Anlässen –, stark nachgelassen hat. Amoris laetitia erinnert uns daran, dass dies von grundlegender Bedeutung ist: »Dabei gilt es, die Bedeutung der Spiritualität in der Familie, des Gebetes und der Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier zu unterstreichen« (AL 223). Und sie empfiehlt, dass sich auch Familien »regelmäßig treffen, um das Wachstum des geistlichen Lebens sowie die Solidarität in den konkreten Anforderungen des Lebens zu fördern« (ebd.). Das gemeinsame Gebet und die Sakramente spielen im Familienleben eine wesentliche Rolle, denn indem sie die Herzen für das Wirken Gottes öffnen, ermöglichen sie es, gemeinsam auch das zu erreichen, was man allein niemals schaffen würde. Sie sind eine solide Nahrung und eine heilsame Medizin; deshalb ermutige ich alle von ganzem Herzen, diese Praxis wiederzuentdecken und zu fördern.

Liebe Brüder und Schwestern, ich habe auch die Ehre, dieser Feier im besonderen Auftrag des Heiligen Vaters Leo XIV. vorzustehen, um öffentlich die kirchliche Gemeinschaft zu bekunden, die er Seiner Seligkeit Paul III. Nona, dem chaldäischen Patriarchen von Bagdad, gewährt hat, der an dieser Eucharistiefeier teilnimmt.

Die Gemeinschaft eines Patriarchen mit dem Nachfolger Petri geht auf eine alte Tradition zurück, die die Einheit im Glauben und in der Liebe einer Patriarchalkirche mit dem Bischofsstuhl von Rom sowie – damals – der Kirchen untereinander besiegelte: Sie ist also keine bloße Formalität, sondern eine lebendige Realität, die ihre Daseinsberechtigung aus der eucharistischen Gemeinschaft bezieht, der Quelle und dem Höhepunkt der Einheit der Kirche in Christus.

Seligkeit, Ihre Anwesenheit hilft uns, unser Kirche-Sein besser zu verstehen – als Gemeinschaft in Christus, dem Herrn von Kirchen verschiedener Riten und Traditionen in sichtbarer Einheit mit dem Nachfolger Petri. Wir versichern Sie der Zuneigung der gesamten katholischen Kirche und unserer Gebete für die Gläubigen, die Ihrer Hirtensorge anvertraut sind und die seit langem viele Prüfungen erdulden, aber standhaft und oft heldenhaft inmitten vieler Widrigkeiten den Glauben an Jesus bezeugen.

Liebe Brüder und Schwestern, vertrauen wir alle Familien und die ganze Kirche der Heiligen Familie von Nazaret an und beten wir dabei das Gebet, mit dem Papst Franziskus Amoris laetitia enden ließ.

»Heilige Familie von Nazaret,
mache […] unsere Familien
zu Orten innigen Miteinanders
und zu Gemeinschaften des Gebetes,
zu echten Schulen des Evangeliums
und zu kleinen Hauskirchen.

[…] Nie mehr gebe es in unseren Familien
Gewalt, Halsstarrigkeit und Spaltung;
wer Verletzung erfahren
oder Anstoß nehmen musste,
finde bald Trost und Heilung.

[…] Lass allen bewusst werden,
wie heilig und unantastbar die Familie ist
und welche Schönheit sie besitzt im Plan Gottes.

Jesus, Maria und Josef,
hört und erhört unser Flehen. Amen« (AL 325).

 


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Lesermeinungen

ASchwibach vor 54 Minuten: Eine Methode

Leo XIV. vermied also die neuralgischen Punkte von Amoris laetitia mit Bedacht. Weder in seiner Eröffnungsansprache noch in der für heute vorbereiteten Predigt griff er die umstrittenen Passagen auf. Die Botschaft scheint klar: Das Gute des Vorgängerpontifikats soll bewahrt, die problematischen Hinterlassenschaften dagegen möglichst geräuschlos unter dem Mantel der Barmherzigkeit verborgen werden.

Das mag angesichts einer Kirche, die sich zusehends in unversöhnliche Lager aufspaltet, politisch klug erscheinen. Doch Befriedung einer Oberfläche ist nicht dasselbe wie Klärung, und Schweigen ersetzt keine Antwort. Wenn jede offene Frage zum Anlass für den nächsten innerkirchlichen Stellungskrieg wird, liegt die Versuchung nahe, den Frieden durch Ausweichen zu erkaufen. Ob sich auf diese Weise die Einheit der Kirche wiederherstellen lässt oder ihre Konflikte lediglich vertagt werden, bleibt die entscheidende Frage.

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