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Wir machen da was mit Medien

vor 5 Stunden in Kommentar, 1 Lesermeinung
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Mit Christ und Welt geht nun der letzte Bestandteil des früheren Rheinischen Merkur den Weg alles Zeitlichen. Dies ist nur ein Beispiel für die desaströse kirchliche Medienpolitik. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Christ und Welt ist nun Geschichte. Die letzte Ausgabe ist jüngst erschienen. Damit endet ein Stück christlicher Mediengeschichte in Deutschland. So manch einer wird es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen, denn die Geschichte des Blattes ist traurig. Zuletzt war Christ und Welt ein Teil der Wochenzeitung Die Zeit. Davor war es eine eigene Beilage derselben Zeitung, die von einer eigenen Redaktion verantwortet wurde. Die Inhalte kamen damals von dreipunktdrei, einem Contentdienstleister, der der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) gehörte. Davor war Christ und Welt ein Bestandteil der Zeitung Rheinischer Merkur. Diese hatte Christ und Welt, zuvor ein evangelisches Medienprodukt, gekauft und integriert.

Der Rheinische Merkur, damit wären wir beim Kern des Themas angekommen, war dereinst das katholische Flaggschiff unter den Zeitungen dieses Landes. Von 1946 bis 2010 war das Blatt eine überregional erscheinende Wochenzeitung mit christlicher und konservativer Ausrichtung. Verlegt wurde die Zeitung in Bonn. Sie erschien jeweils donnerstags. Interessant ist auch ein Blick auf die Zahlen. Die verkaufte Auflage des Rheinischen Merkur betrug nach Angaben der IVW im zweiten Quartal 2010 immerhin noch 64.356 Exemplare, davon 36.363 im Abonnement. Für das dritte Quartal meldete der Verlag bereits keine Zahlen mehr. Seit Dezember 2010 erschien der Rheinische Merkur nicht mehr als eigenständige Publikation, sondern unter dem Titel Christ und Welt als Beilage der Wochenzeitung Die Zeit. Der Verlag arbeitete nicht mehr wirtschaftlich. Er war nicht allein. Die Liste katholischer Verlage, die den Bach runtergegangen sind, ist lang. Hier seien nur Weltbild und St. Ulrich als Beispiele genannt.

Nun sind Zusammenlegungen und Umbauten von Zeitungen und Verlagen nicht selten. Das Internet hat die Medienlandschaft mit einer Wucht und Geschwindigkeit verändert, wie wir sie seit der Erfindung der beweglichen Bleilettern nicht mehr erlebt haben. Es ist klar, dass ein Medium wie der Rheinische Meckerer, wie die Zeitung liebevoll genannt wurde, im damaligen Zustand keine Zukunft mehr haben konnte. Im Jahr 2010, wenn man sich daran einmal kurz erinnern möchte, hatte die katholische Kirche in Deutschland kein einziges zeitgemäßes Medium. Zwar war 2004 die Seite katholisch.de ans Netz gegangen, doch diese hatte der Verband der Diözesen Deutschlands zunächst in einem Gerichtsverfahren einem privaten Eigentümer abnehmen müssen. Auch danach wusste man nicht so recht, was man damit anfangen sollte, denn einige Jahre lag die Domain brach. Dass eine Seite mit der Domain katholisch.de nun ein überwiegend journalistisches Portal ist, wäre an anderer Stelle zu diskutieren. Interessant ist, dass im Jahr 2004 eine mediale Schattenexistenz in Gestalt dieser Internetseite online ging, während in Bonn mit dem Rheinischen Merkur ein etabliertes Medium in katholischer Hand existierte, das als Printprodukt schon damals nicht mehr zukunftsfähig war.


Das ändert nichts an der Tatsache, dass das Blatt von einer Redaktion gemacht wurde, die sich sehen lassen konnte. Natürlich geriet der Verlag unter dem schon damals spürbaren Druck des Wandels der Medienlandschaft in Schieflage. Eigentümer waren im Wesentlichen acht deutsche Bistümer, darunter das Erzbistum Köln, sowie der Verband der Diözesen Deutschlands, der Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Eine Übernahme durch den Springer-Verlag war wenige Jahre zuvor schon gescheitert, nun hatte noch die Junge Freiheit ihren Hut in den Ring geworfen. Das Rennen machte ausgerechnet Die Zeit.

Der Kardinalfehler der Verlagseigner, der Bistümer aus NRW und des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD), war es, dem Verlag nicht rechtzeitig eine Digitalisierungsstrategie verordnet zu haben. Doch was will man von einer Organisation verlangen, die es verpennt hatte, DIE Domain zu sichern, die ihre Identität im Land abbildet, nämlich katholisch.de? Was will man von einer DBK erwarten, deren Medienbischof Gebhard Fürst noch im Jahr 2015 in einem Kreis kirchlicher Medienschaffender im Plauderton erzählte, er habe sich eine Internetseite ausdrucken lassen? Die Antwort ist einfach: nichts. Was will man von einer DBK erwarten, deren Vorsitzender und späterer Medienbischof Reinhard Marx konstatierte, Verbloggung führe zur Verblödung, und damit – nota bene – einen großen Teil der katholischen Blogger endgültig verärgerte? Was vom gegenwärtigen Medienbischof, der übrigens erneut der ehemalige Vorsitzende der DBK ist, zu erwarten ist, will man sich lieber gar nicht vorstellen.

Heute reiben wir uns verwundert die Augen, dass katholische Kernthemen wie christliche Anthropologie, Bioethik, Lebensrecht, Ehe und Familie, aber durchaus auch andere Glaubensthemen wie die Bedeutung der großen christlichen Feste Ostern, Weihnachten und Pfingsten in der Medienwelt so gut wie gar nicht mehr vorkommen. Ein Medium mit damals noch über 60.000 verkauften Exemplaren und den Adressen von über 30.000 Abonnenten würde heute ganz vorne mitspielen, wenn es damals richtig aufgestellt worden wäre. Die konservative Linie des Blattes dürfte die vorwiegend linken Apparatschiks schon damals gestört haben.

Ein sich gegenwärtig abzeichnender Trend zur Renaissance von Printprodukten, die aber ganz anders sind als die gute alte, von Druckerschwärze triefende Zeitung, lässt einen zusätzlich wünschen, man hätte am Meckerer festgehalten. Für die althergebrachte Tages- oder Wochenzeitung gibt es keinen Markt mehr. In Zeiten von KI endet zudem bald endgültig die Zeit, in der man bereit ist, für Informationen zu zahlen. Man zahlt für Hintergründe, solide Einordnungen und gute investigative Recherchen. Man zahlt für Texte und Bilder, die über den Moment hinausreichen. Der Wandel der Medienwelt bedeutet nicht, dass man mit Medien kein Geld mehr verdienen kann. Der Rheinische Merkur im richtigen Gewand könnte heute eine echte Cashcow sein. Entscheidend ist, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben. Mache ich Videos, die ich auch auf YouTube gut vermarkte, kann ich mein Portal damit quersubventionieren. Das Portal spült mir Zuschauer auf die Videokanäle.

Mache ich einen Podcast, der Werbeeinnahmen generiert, oder bespiele ich einen Instagram-Kanal, der Werbung ins Haus spült, steht Geld für andere Produkte zur Verfügung. Diese werfen zwar keinen Gewinn ab, lenken aber Leser, Zuschauer und Follower auf meine Geldquellen. Das ist eines von vielen möglichen Modellen. Und in der Tat ist ein wirklich hochwertig gemachtes gedrucktes Produkt ein interessantes Projekt. Man sehe sich als Beispiel Grandios an. Ein Muster, das langfristig nicht mehr funktionieren wird, ist, Nachrichten hinter einer Paywall zu verstecken. Im kirchlichen Bereich finden wir das vorwiegend bei den ehemaligen Bistumszeitungen. Die Blätter waren in der gedruckten Version auf ein solches Maß an Langeweile herabgesunken, dass man sie vermutlich nicht einmal dann mehr losgeworden wäre, wenn man einen Geldschein drangetackert hätte. Der Grundgedanke, mehrere Blätter zu fusionieren, wäre dann und nur dann richtig gewesen, wenn das Endprodukt für den Leser einen Mehrwert gehabt hätte. Bei einem katholischen Medium hätte dies bedeutet, dass auch katholischer Content produziert und präsentiert wird. Stattdessen erfreut man sich auch bei fusionierten Kirchenzeitungen zumeist nur am kirchensteuersubventionierten Mitschwimmen im Mainstream. Wer will schon den hundertsten Artikel darüber lesen, warum nun doch endlich Frauen Priester werden sollen?

Einen anderen Gedanken ventilierte schon vor mehr als fünfzehn Jahren der Journalist und Papstbiograf Peter Seewald. Er fragte sich, warum es einer derart vermögenden Organisation wie der katholischen Kirche nicht gelingt, ein kostenloses Mitgliedermagazin zu machen. Mit seinem einmalig erschienenen Magazin Credo zeigte er damals, dass es möglich ist, so etwas zu produzieren und zu verteilen. Es erschien als Beilage zu drei großen deutschen Tageszeitungen. Der Gedanke eines kostenlosen Mitgliedermagazins hat im Bistum Essen zur Entwicklung von BENE geführt. Das Magazin erscheint viermal im Jahr in einer Auflage von 450.000 Exemplaren und wird an ebenso viele Haushalte und Einrichtungen verteilt. Das Blatt als katholisches Magazin anzusehen, fällt zuweilen schwer. Es liefert aber die Antwort auf die Frage, ob es wirklich gut wäre, wenn etwa der VDD ein kostenloses Mitgliedermagazin herausgäbe. Die Antwort kann sich wohl jeder selbst denken.

Wer nun in Ratlosigkeit verfällt, dem sei gesagt, dass das gar nicht sein muss. Es wäre nur ein Fazit zu ziehen, das vielleicht dem einen oder anderen katholischen Medienschaffenden schwer zu schaffen macht. Katholische Medien gehören am besten gar nicht unter die Herrschaft von Bischöfen. Die besten katholischen Medien sind in privater Hand. Bei den klassischen elektronischen Medien seien hier Radio Horeb als Radiosender sowie K-TV und EWTN als Fernsehsender genannt. Dass diese alle inzwischen eine Digital- und Social-Media-Strategie haben, versteht sich von selbst. Als Webportale gibt es kath.net, corrigenda oder CNA. Ein eher akademisches Portal ist Communio online, ein Ableger der Zeitschrift Communio. Auf dem Zeitungsmarkt ist mit der Tagespost leider nur noch eine Zeitung verblieben, die als Medium in säkularer Hand mit katholischem Profil erscheint. Natürlich gibt es auch liberale oder in bestimmter Weise reformorientierte Produkte im katholischen Dunstkreis. Das ist kein Nachteil. Es zeigt, dass Privateigentum an Medien die größte Bandbreite liefern kann. Möge der beste Content gewinnen.

Hinsichtlich des Rheinischen Merkur, dessen Urenkel in Gestalt von ein paar Seiten der Zeit nun gestorben ist, kann man sagen: Die Entlassung in die Säkularität war durchaus richtig, doch hätte man sich vielleicht lieber einen säkularen Partner mit katholischem Hintergrund gesucht. Wir machen da was mit Medien. Schon klar. Doch ganz ehrlich, Bischöfe sollten besser die Finger von Medien lassen und anerkennen, dass das Herstellen und Vertreiben von Medien, auch von katholischen Medien, Weltdienst der Laien ist.


 

Bild oben: Ein Beispiel einer zu seiner Zeit sehr fortschrittlichen Medienarbeit in der Kirche. Leider hat sich das fundamental geändert. Foto: Peter Winnemöller mit KI hergestellt.


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Lesermeinungen

je suis vor 1 Stunden: HERR SEEWALD...

...hat mit CREDO ein Super-Magazin verantwortet. Ich bin froh, es zu haben. Kann man immer mal wieder lesen. Schade, dass es nur einmalig erschienen ist. EINMALIG ist das richtige Adjektiv für's Heft!

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