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Uruguay, man muss sich auf den Weg machen! Leo XIV. vertraut Uruguay der Gottesmutter an

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Abschiedsmesse in Florida vor dem Nationalheiligtum der Jungfrau der Dreiunddreißig. Der Glaube beginnt zu Hause: Leo XIV. über Mütter, Väter und die Weitergabe des Glaubens. Von Armin Schwibach


Florida (kath.net/as) Mit einer Heiligen Messe auf dem Vorplatz der Kathedralbasilika von Florida, dem Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau von den Dreiunddreißig, verabschiedete sich Papst Leo XIV. von Uruguay. Bei der Feier am Heiligtum der Schutzpatronin des Landes stellte er die Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familien in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er erinnerte an die Frauen, die über Generationen hinweg den Glauben bewahrt und an ihre Kinder weitergegeben hätten, wandte sich zugleich an Väter und Großväter und rief die Kirche zu einer neuen missionarischen Bewegung auf. Im Anschluss an die Eucharistiefeier wollte er vor dem Bildnis der Gottesmutter eine Goldene Rose niederlegen und das Land erneut ihrem Schutz anvertrauen. Leo XIV. kam, wie er zu Beginn seiner Predigt erklärte, als Pilger nach Florida, um am Glauben und an der Verehrung teilzuhaben, mit denen das uruguayische Volk seit Generationen zur Gottesmutter aufblicke. Allen, die aus verschiedenen Orten gekommen seien, den langjährigen Pilgern ebenso wie jenen, die zum ersten Mal das Heiligtum besuchten, galt sein Gruß. Zugleich empfahl er sie dem Schutz Mariens an.

Die biblischen Lesungen stellten zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten vor Augen, an die nahezu dieselben Segensworte ergangen seien. Nach der Befreiung ihres Volkes sei Judit mit den Worten empfangen worden: „Meine Tochter, du bist von Gott, dem Allerhöchsten, mehr gesegnet als alle anderen Frauen auf der Erde“ (Jdt 13,18). Viele Jahrhunderte später habe Elisabet Maria in ihrem Haus begrüßt und ausgerufen: „Gesegnet bist du unter den Frauen“ (Lk 1,42). Die christliche Tradition habe diesen Zusammenhang bereits früh erkannt. In Judit habe sie eine Frau gesehen, die sich in einer schwierigen Lage ihres Volkes nicht von der Angst beherrschen ließ. Im Gebet und durch Fasten habe sie eine Entscheidung getroffen, mit der sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzte (vgl. Jdt 8–10). Nach dem Sieg habe sie diesen nicht sich selbst zugeschrieben. Sie habe vielmehr gewusst, wem Israel seine Rettung verdankte, und deshalb zum Lob Gottes aufgerufen: „Stimmt ein Lied an für meinen Gott unter Paukenschall, singt für den Herrn unter Zimbelklang!“ (Jdt 16,1). Ihr Volk habe sie daraufhin mit den Worten empfangen: „Du bist der Ruhm Jerusalems, du die große Freude Israels und der Stolz unseres Volkes“ (Jdt 15,9). Mit Judit habe Israel gefeiert, was Gott für sein Volk getan hatte. Diese biblischen Worte hätten vor der Schutzpatronin Uruguays eine besondere Bedeutung. Das kleine Bildnis Unserer Lieben Frau von den Dreiunddreißig sei mit einem entscheidenden Augenblick der Geschichte des Landes verbunden. Im Jahr 1825 hätten sich diejenigen, die für die Freiheit Uruguays kämpften, auch an Maria gewandt, um den politischen Neuanfang unter ihren Schutz zu stellen. Diese Geste erinnere daran, dass die Geschichte eines Volkes nicht vollständig verstanden werden könne, wenn Gott aus ihr ausgeklammert werde. Uruguay sei seit seiner Gründung eng mit einer Mutter verbunden gewesen. Viele Generationen seien seither vergangen, die geschichtlichen Umstände hätten sich verändert, ebenso wie das Verhältnis vieler Uruguayer zum Glauben. Maria aber sei geblieben. Während sie die Geschichte des Volkes begleitet habe, seien es in zahlreichen Familien andere Frauen gewesen, die den Glauben bewahrt und an ihre Kinder weitergegeben hätten.

Leo XIV. erinnerte an die Mütter, die ihren Kindern die ersten Gebete beigebracht, sie zur Taufe getragen, auf den Empfang der Sakramente vorbereitet und sie in die christliche Nächstenliebe eingeführt hätten. Ebenso gedachte er der Großmütter, die zu Hause einen Altar geschmückt, für Lebende und Verstorbene gebetet und Gott im alltäglichen Leben gegenwärtig werden lassen hätten. Ein vergleichbares Zeugnis finde sich bereits in den Anfängen der Kirche. Hinter dem Glauben des Timotheus hätten zwei Frauen gestanden: seine Großmutter Loïs und seine Mutter Eunike. Der Apostel Paulus habe sich liebevoll an ihren „aufrichtigen Glauben“ erinnert, der zunächst in ihnen gewirkt habe und den er auch in Timotheus erkannt habe (vgl. 2 Tim 1,5). Die Heilige Schrift berichte nur wenig über diese beiden Frauen. Dennoch sei erkennbar, dass Timotheus, der später zu einem engen Mitarbeiter des Apostels geworden sei, aus dem Glauben gelebt habe, den er im Elternhaus empfangen hatte (vgl. Apg 16,1–3). Auch in der Glaubensgeschichte Uruguays fänden sich die Namen von Frauen, die ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt hätten. Dazu gehöre die heilige María Francisca Rubatto, die unter den Menschen bleiben und den Bedürftigsten dienen wollte. Ebenso erinnerte der Papst an die seligen Märtyrerinnen Dolores und Consuelo Aguiar-Mella, zwei in Montevideo geborene Schwestern. Ihre Lebenswege seien unterschiedlich gewesen, doch alle drei verbinde eine Treue, die bis zum Äußersten gereicht habe.


Der größere Teil dieser Glaubensgeschichte sei allerdings nicht in Büchern festgehalten worden. Er sei vielmehr im Stillen innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergegeben worden. Wer sich frage, woher der eigene Glaube stamme, stoße häufig auf den Namen einer bestimmten Frau: einer Mutter, Großmutter, Patin, Ordensschwester oder Katechetin. Vielleicht erinnere man sich nicht mehr an sämtliche Worte, die diese Frauen gesprochen hätten, wohl aber daran, wie sie beteten, wie sie vom Herrn redeten und mit welcher Überzeugung sie das lebten, was sie lehrten. Diesen Frauen galt der ausdrückliche Dank des Papstes. Er dankte ihnen dafür, dass sie geglaubt und in zahlreichen Familien einen Weg zu Gott offengehalten hätten. Manche hätten dies auf der Grundlage einer langen Familientradition tun können, andere hätten den Glauben unter größeren Schwierigkeiten bewahren müssen, möglicherweise ohne Verständnis oder Unterstützung im eigenen Zuhause zu finden. Zugleich wandte sich Leo XIV. einem Schmerz zu, den viele Mütter und Großmütter mit sich trügen. Sie hätten ihren Kindern das Beten beigebracht, doch diese beteten heute nicht mehr. Sie seien gemeinsam zur Messe gegangen, während ihre Kinder seit Jahren keine Kirche mehr betreten hätten. Sie hätten ihren Enkelkindern von Gott erzählt und wüssten nun nicht, ob ihre Worte überhaupt Spuren hinterlassen hätten. Daraus entstünden Fragen, ob sie etwas falsch gemacht hätten oder ob alles, was sie weitergegeben hätten, verloren gegangen sei. In diesem Zusammenhang erinnerte der Papst an die heilige Monika, die diesen Schmerz gekannt habe. Jahrelang habe sie für einen Sohn gebetet, der sich immer weiter von Gott zu entfernen schien. Dennoch habe sie niemals aufgehört, auf die Gnade zu vertrauen. Daraus leitete Leo XIV. eine Ermutigung ab: „Gebt deshalb das, was ihr gesät habt, nicht verloren“. Der Herr selbst habe gelehrt, dass der Same wachsen könne, ohne dass der Sämann wisse, wie dies geschehe (vgl. Mk 4,27).

Seine Aufforderung an die Mütter und Großmütter fasste der Papst in einen unmittelbaren Auftrag: „Werdet nicht müde, den Glauben weiterzugeben! Verkündet ihn mit eurem Leben und auch mit euren Worten“. Sie sollten am Gebet, an der Liebe und an der Hoffnung festhalten und dies „ob gelegen oder ungelegen“ tun (vgl. 2 Tim 4,2). Dabei seien Geduld, der Verzicht auf Härte und das Überwinden von Verzagtheit erforderlich. Auch wenn Angehörige weit von Gott entfernt zu sein schienen, sollten sie weiterhin vor ihn gebracht werden. Die Mütter und Großmütter sollten nicht aufhören, ihre Kinder und Enkelkinder zu segnen, sie zu begleiten und sie in aller Einfachheit an das zu erinnern, was sie einst empfangen hätten. Denn es gebe Türen, die Menschen selbst nicht öffnen könnten, die Gott aber öffnen könne.

Anschließend wandte sich Leo XIV. ausdrücklich an die Männer, Väter und Großväter. Auch ihre Verantwortung für die Weitergabe des Glaubens müsse sichtbar werden. Kinder und Enkelkinder müssten erkennen können, dass der Glaube im Leben der Männer ihrer Familie einen wirklichen Platz einnehme. Als Vorbild führte der Papst den heiligen Josef an. Dieser habe die Aufgabe übernommen, Jesus zu erziehen, ihn zum Tempel zu bringen, ihn in ehrlicher Arbeit zu unterweisen und ihm zu zeigen, dass Gott im Leben des Menschen an erster Stelle stehen müsse. Die jungen Menschen müssten sehen, wie ihre Väter und Großväter beteten, die Sakramente empfingen, ihre Ehefrauen mit Respekt behandelten, um Vergebung bäten und ein ehrliches Leben führten, auch wenn dies Opfer verlange. Dabei formulierte Leo XIV. einen Satz, der die Verbindung von Vaterschaft, Glauben und Männlichkeit unmittelbar ansprach: „Ein Sohn lernt viel, wenn er sieht, dass sein Vater vor Gott niederknien kann, ohne sich deshalb weniger männlich vorzukommen“. Die Weitergabe des Glaubens sei nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift eine Aufgabe des gesamten häuslichen Lebens. Das Volk Israel sei aufgefordert worden, die von Gott empfangenen Worte im Herzen zu bewahren, sie den Kindern einzuschärfen und über sie zu sprechen, „wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst“ (Dtn 6,6–7). Gott habe deshalb einen festen Platz in den Gesprächen, Entscheidungen und alltäglichen Abläufen des Hauses gehabt. Auf diese Weise hätten die Kinder gelernt, dass der Glaube, den ihre Eltern ihnen vermittelten, zugleich der Glaube gewesen sei, aus dem ihre Eltern selbst lebten. Auch die Bischöfe, Priester und Gottgeweihten seien aufgerufen, die Familien bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Sie müssten ihre geistliche Vaterschaft und Mutterschaft großzügig ausüben, jene begleiten, die ins Wanken gerieten, und vielen Menschen helfen, den Weg Gottes wiederzufinden.

Von der familiären Weitergabe des Glaubens führte Leo XIV. zur Bedeutung der Gottesmutter. Den Glauben weiterzugeben bedeute, andere zu Christus zu führen, den man selbst empfangen habe. Maria zeige, wie dies geschehen könne. Im Evangelium habe Elisabet sie mit den Worten begrüßt: „Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“ (Lk 1,42). Maria habe dieses Lob jedoch nicht für sich behalten. Auf Elisabets Preisung habe sie mit dem Lobpreis der Großtaten des Herrn geantwortet (vgl. Lk 1,46–55). Auch bei der Hochzeit zu Kana habe sie die Menschen, die sich an sie wandten, nicht auf sich selbst verwiesen, sondern auf ihren Sohn: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5). Die zweite Lesung habe nach den Worten des Papstes ausdrücklich eine Wahrheit zum Ausdruck gebracht, die das gesamte Leben Mariens kennzeichne. Der heilige Paulus habe geschrieben: „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1 Tim 2,5). Die ganze Größe Mariens ergebe sich aus ihrer Beziehung zu Christus: Sie nehme ihn auf, lebe aus ihm und führe andere zu ihm. Die Begegnung mit dem Meister sei daher das Ziel jeder Evangelisierung und jeder authentischen Marienverehrung. Da sich der Sohn Gottes für alle hingegeben habe, dürfe niemand vom Gebet der Kirche ausgeschlossen bleiben. Der Apostel Paulus fordere deshalb dazu auf, „für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben“ (1 Tim 2,2), zu beten. Das Gebet müsse darüber hinaus alle Menschen umfassen, denn Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2,4).

Am Fest der Schutzpatronin Uruguays brachte Leo XIV. das gesamte Volk vor den Herrn. Das Gebet galt denjenigen, die Regierungsverantwortung trügen, damit sie aufrichtig das Wohl aller anstrebten, ebenso den Familien und den jungen Menschen. Es schloss die Leidenden, die sich von Gott entfernt fühlten und jene ein, die den Weg zu ihm zurückfinden und ihr Leben ändern müssten. Aus dem Beispiel Mariens leitete der Papst schließlich einen unmittelbaren missionarischen Auftrag ab. Der Evangelist Lukas berichte, dass Maria sich nach dem Empfang des Sohnes Gottes „auf den Weg und eilte“ (Lk 1,39). Sie habe nicht darauf gewartet, dass Elisabet zu ihr komme, sondern sei selbst aufgebrochen, habe deren Haus betreten und den Herrn zu ihr getragen. Dort sei das Kind vor Freude gehüpft und Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt worden (vgl. Lk 1,41–44). Diese Bewegung Mariens müsse auch für die Kirche maßgeblich sein. Man könne nicht immer darauf warten, dass diejenigen, die sich entfernt hätten, von selbst zurückkehrten. Daraus entwickelte Leo XIV. seinen Aufruf an das Land: „Uruguay, man muss sich auf den Weg machen! Man muss wieder in die Häuser gehen, auf die Menschen zugehen, ihre Fragen anhören und sie zu Christus führen!“ Jeder wisse, auf wen er zugehen könne: vielleicht auf ein Kind, einen Freund, einen Nachbarn oder auf jemanden, der schon vor langer Zeit aufgehört habe zu glauben oder noch niemals einen Menschen in seiner Nähe gehabt habe, der ihm von Gott erzählt habe. Der Papst bat die Königin des Himmels, jene zu stärken, die weiterhin den Glauben aussäten. Zugleich solle Maria die Gläubigen lehren, Christus in den Armen, Kranken und Einsamen zu erkennen und ihn dorthin zu bringen, wo er noch nicht bekannt sei. In Kürze werde er vor dem Bildnis der Gottesmutter eine Goldene Rose niederlegen. Mit dieser Geste wolle er jene ehren, die wahrhaftig „der Stolz unseres Volkes“ sei (Jdt 15,9). Zugleich werde damit die Erfüllung der Worte sichtbar, die Maria selbst im Magnifikat ausgesprochen habe: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48).

Abschließend vertraute Leo XIV. Maria als der „Capitana y Guía“, der Kapitänin und Führerin des uruguayischen Volkes, erneut die Nation an. Er wolle das Land und alle seine Bewohner ihrem Schutz empfehlen und Gott inständig darum bitten, dass er durch ihre mächtige Fürsprache die Werke des Teufels zunichtemache und das geliebte Uruguay vor allem bewahre, was es von Christus entfremden wolle. Die Goldene Rose solle als Zeichen der Verehrung und kindlichen Liebe zugleich die Kinder Mariens an ihre eigene Berufung erinnern: „Christus so zu lieben, wie sie ihn geliebt hat, und ihn zu den anderen zu bringen, wie sie es getan hat“.

 


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